Vorstellung der Werkfeuerwehr ICO Mainsite

Das Industrie Center Obernburg (ICO) hat seinen Ursprung in einem 1924 eröffneten Werk der Vereinigten Glanzstoff-Fabriken AG.
Seine Kernkompetenzen liegen in der Entwicklung und Produktion leistungsfähiger Kunstfasern, vorwiegend für technische Anwendungen.
Produkte aus Obernburg finden sich in Hochleistungsreifen für Autos, in Flugzeugreifen, Zahn- und Transmissionsriemen,
Airbags, Sicherheitsgurten, Tauen, Schläuchen und Planen, aber auch in Erdbaukomponente zum Erosionsschutz bei Landgewinnungs- oder Tunnelbauprojekten oder in Dränagesystemen.

 

Im Jahr 2002 wurden die Konzernstrukturen aufgelöst und die Betriebe des Standorts in rechtlich eigenständige Gesellschaften überführt.
Heute ist das ICO die Heimat von über 30 Firmen mit über 3000 Beschäftigten. Neben den Kunstfaserproduzenten haben sich inzwischen auch Unternehmen für Autolacke,
Feinchemikalien, Medizinprodukten, Kunststoffverarbeitung, Prüf- und Analytikinstitute sowie Anbieter für Finanz-, Personal- und Versorgungsdienstleistungen,
Industrieanlagenbau und –instandhaltung auf dem 176 Hektar großen Areal etabliert.
Auch die Technische Hochschule Aschaffenburg unterhält mit dem Zentrum für Wissenschaftliche Services und Transfer einen prosperierenden Forschungsbereich im ICO.
2019 wurde ein modernes Logistikzentrum mit 71.000 Quadratmetern Lagerfläche in Betrieb genommen.
Ebenso erfuhr gleichzeitig das standorteigene Kraftwerk eine umfangreiche Modernisierung zur Flexibilitäts- und Effizienzsteigerung.

 

Verkehrstechnisch ist das ICO hervorragend positioniert und an die Verkehrswege Straße (B 469/A3), Wasser (Main) und Schiene angebunden.
Eigene Wasserversorgungs- und Aufbereitungssysteme bedienen die ansässigen Firmen mit dem nötigen Trinkwasser.
Die Wasserentsorgung erfolgt über eine zusammen mit den Kommunen des Umlandes als Joint Venture betriebene Gemeinschaftskläranlage.

 

Betreibergesellschaft des Standorts und damit Infrastruktur- und Dienstleistungsanbieter ist die Mainsite GmbH & Co. KG. Mainsite ist unter anderem von Rechts wegen auch Träger der Werkfeuerwehr,
die bereits drei Jahre nach Produktionsbeginn 1927 ihre Tätigkeit aufnahm.
Gegründet als rein freiwillige Standortfeuerwehr, entwickelte sie sich über die Jahrzehnte zu einer professionellen Abteilung für betrieblichen Brandschutz und Gefahrenabwehr,
in der heute 28 hauptberufliche und über 60 nebenberufliche Werkfeuerwehrleute Dienst leisten.
Eine Staffel mit fünf Minuten Eingreifzeit stellt die Mindestbesetzung der hauptberuflichen Mannschaft im 24-Stunden-Schichtdienst dar.
Insgesamt müssen nach dem gültigen Anerkennungsbescheid zwei Löschgruppen in spätestens zehn Minuten am Schadensort zur Verfügung stehen.
Kern der Schadensabwehr ist die eigene Einsatzzentrale, in der neben dem internen Notruf 112 auch alle Brandmeldesysteme auflaufen,
und von der aus unter anderem die Räumungsalarme für die einzelnen Gebäude oder auch Maßnahmen zur Löschwasserrückhaltung im zentralen Abwasser-Leitsytem (ALS) geschaltet werden.

 

Platzmangel in der schon seit 1960 bestehenden Feuerwache 1 führte dazu, dass im August 2019 die Feuerwache 2 bezogen wurde, ein ehemaliges Kfz-Werkstattgebäude,
in das nun die komplette nebenberufliche Werkfeuerwehr, einschließlich Fahrzeugen, persönlicher Schutzausrüstung und allen erforderlichen Räumlichkeiten, einzog.
Außerdem konnten hier die Kleiderkammer sowie die Funk-, Messgeräte- und Schlauchwerkstatt untergebracht werden.

 

Der vielseitige Aufgabenbereich der Werkfeuerwehr erstreckt sich von vorbeugenden Tätigkeiten wie der Mitarbeit in Bau- und Anlagenprojekten,
der Brandsicherheitswache bei feuergefährlichen Arbeiten, der Wartung und Prüfung von Brandschutzeinrichtungen in den Betrieben,
der Feuerbeschau nach FBV und der Unterweisung von Mitarbeitern bis zu akuten Maßnahmen der Gefahrenabwehr, das heißt den Einsatz bei Feuer,
technischen Hilfeleistungen, medizinischen Notfällen oder umweltrelevanten Stofffreisetzungen. Erklärtes Ziel all dieser Aktivitäten ist die Schadensverhütung in den Betrieben,
die Sicherstellung der Betriebskontinuität, die schnelle und effektive Schadensbegrenzung im Ereignisfall und die Vermeidung oder zumindest Minimierung von Betriebsausfällen.

 

Besonders zu erwähnen ist die seit Jahrzehnten sehr gut funktionierende Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden und dem Landkreis Miltenberg:

 

  • Schon seit über 50 Jahren betreibt die Werkfeuerwehr Atemschutzausbildung, auch für die Freiwilligen Feuerwehren der Landkreisgemeinden.
    Seit 1987 ist sie Vertragspartner des Landkreises als anerkannte Ausbildungsstätte für Atemschutz.
    2014 ging mit der neuen Atemschutzübungsanlage auch ein feststoffbefeuerter Brandübungscontainer in Betrieb.
  • Ebenso lange schon können kommunale Feuerwehren oder sonstige Anwender Atemschutzgeräte in der Atemschutzgerätewerkstatt der Werkfeuerwehr warten und prüfen lassen.
    Diese Einrichtung zählt heute als zentrale Atemschutzwerkstatt für den nördlichen Landkreis Miltenberg und ist an sieben Tagen in der Woche erreichbar.
  • Seit 1972 betreibt der Standort mit drei benachbarten Gemeinden eine interkommunale Drehleiter, aktuell eine DLA(K) 23-12.
    Zurzeit wird die Ersatzbeschaffung des nunmehr dritten gemeinsamen Hubrettungsfahrzeugs, das wieder bei der Werkfeuerwehr ICO stationiert wird, projektiert; eine bayernweit einzigartige Erfolgsgeschichte.

 

Kurz vor dem 100-jährigen Bestehen des Standorts spürt auch die Werkfeuerwehr den Wandel,
sowohl im Entstehen neuer Aufgaben als auch in dem sich abzeichnenden Generationswechsel bei den haupt- und nebenberuflichen Mitarbeitern.
Stark sein für ein starkes ICO, wird weiterhin die Aufgabe bleiben.

 

 

Fotos:

 

Bild 1:

Feuerwache 1 mit (v. l.) WLF mit AB-Gefahrgut, interkommunale DLA(K) 23-12, TroTLF 48/25/10+1500P, CO2LF, GW-L1, KTW, GW

 

Bild 2

Feuerwache 2 mit (v. l.) LF 20, MTW, ELW 1, AB-Pulver