Vorstellung der Werkfeuerwehr Bavaria Film

Zwölf Filmstudios, einen Deko Straßenzug, Waldgelände, über 100 Gebäude und jede Menge Sicherheitsvorkehrungen für den Fall der Fälle. Die Werkfeuerwehr der Bavaria Film hat reichlich zu tun.

Die Bavaria Film in Grünwald ist eines der bekanntesten und größten Filmstudios in Deutschland. Im Jahr 1919 gegründet, waren hier schon viele Prominente Künstler und Filmemacher wie Alfred Hitchcock, Heinz Rühmann und Wim Wenders tätig.
Heute zählen Produktionen wie „Die Rosenheim-Cops“, „Sturm der Liebe“ und zu den Werken, die in den Grünwälder Studios produziert werden.
Hierfür stehen ein Straßenzug, ein Waldgelände, vier Dekorationsvillen und dreizehn Filmstudios mit Flächen von 50 bis 3050 Quadratmetern zur Verfügung, in denen gearbeitet werden kann.
Doch auch die mit einem Film in Verbindung stehenden Aktivitäten brauchen Platz. So sind auf dem Gelände über 110 Gebäude aller Art vorhanden, bis zu 2000 Menschen arbeiten hier. 
Zu deren Schutz betreibt die Bavaria Film eine  eigene Werkfeuerwehr, deren Kräfte rund um die Uhr einsatzbereit sind.

Die Ursprünge der Werkfeuerwehr reichen bis in die Zeiten des Zweiten Weltkrieges zurück.
Doch die damaligen Aktivitäten schliefen wieder ein, so dass es im Jahr 1949 nach einer Verpuffung zu einem verheerenden Brand auf dem Filmgelände kam.
Die Filmhalle 8 brannte bis auf die Grundmauern nieder. Um ein solches Ereignis zukünftig zu verhindern, entschloss sich die Geschäftsleitung, wieder eine Werkfeuerwehr ins Leben zu rufen.
Eine fahrbare Kraftfahrspritze, Schlauchmaterial, Verteiler, Hydrantenschlüssel, Strahlrohre und eine Leiter waren die ersten Ausrüstungsgegenstände der Wehr.
1956 erhielten die Einsatzkräfte ein TLF 25 auf Magirus, das erste Fahrzeug der Feuerwehr. Doch das Jahr brachte auch einen erneuten Schicksalsschlag für die Filmstudios.
Am 1. August brannte das Studio 2 ab, der Schaden lag bei rund einer Million DM. Wertvolle Gegenstände wurden bei dem Feuer unwiederbringlich zerstört.
1965 wurde das vorhandene TLF 25 durch ein neues TLF 16/25 auf Mercedes ersetzt. Die kommenden Jahre verliefen relativ ruhig, bis am 28. März 1990 erneut ein Großbrand zu einem Millionenschaden führte.
Aufgrund eines technischen Defektes brach ein Feuer in einer Filmvilla aus und zerstörte das 1. OG sowie das Dachgeschoss.
Am 24. Juni 1994 kam es aufgrund eines elektrischen Defektes schließlich zu einem weiteren Brand in einer Kulissenstraße, den die Werkfeuerwehr gemeinsam mit den umliegenden Feuerwehren
aus Grünwald, Straßlach, Oberhaching, Unterhaching, Taufkirchen und München bekämpfte,dennoch belief sich der Sachschaden auf geschätzte 2-3 Millionen DM.
Eine bessere Ausstattung, gerade im Bereich der Fahrzeugtechnik sowie ein immer wachsames Auge auf den Vorbeugenden Brandschutz konnten weitere Großbrände bisher verhindern.

Zum Schutz der Bavaria Film stehen heute 18 hauptamtliche und 15 freiwillige Kräfte sowie vier Einsatzfahrzeuge bereit.
Die Wache der Werkfeuerwehr befindet sich direkt am Haupteingang des Studiogeländes und ist rund um die Uhr besetzt.
Mindestens sechs Mann am Tag und drei Mann in der Nacht sind dabei die Mindestbesatzung.

Diese wird im Einsatzfall durch freiwillige Kräfte ergänzt, die weitere Fahrzeuge besetzen und die hauptamtlichen Kollegen unter Leitung von Kommandant Helmut Mötsch verstärken.
Sollte tatsächlich ein größerer Schadensfall vorliegen, kommt die Freiwillige Feuerwehr Grünwald zum Einsatz, die unter anderem auch über eine Drehleiter und einen Rüstwagen verfügt.
Im Gegenzug rücken die Werkfeuerwehrkräfte auf Anforderung auch außerhalb des Filmgeländes zum Einsatz aus, zumal die Freiwillige Feuerwehr zum Ortsteil Geiselgasteig einen längeren Anfahrtsweg hat.
Und auch über die Stadtgrenze hinaus in die benachbarte Landeshauptstadt München wurde man schon gerufen, wenn die dortigen Kräfte anderweitig gebunden waren.
So taucht auch ein First-Responder-Einsatz auf Münchner Gebiet in den Statistiken der Wehr auf.
Doch auch sonst kann sich die Leitung der Feuerwehr nicht über zu wenig handfeste Arbeit beklagen.
Wir haben hier mehrmals jährlich auch Verkehrsunfälle auf dem Gelände, zu denen wir ausrücken müssen. Ein Schwerpunkt, neben ausgelösten Brandmeldeanlagen sind First-Responder-Einsätze.
Meist handelt es sich dabei um Besucher mit Kreislaufproblemen oder kleineren Verletzungen, die dann auf die Wache gefahren und in einem eigenen Behandlungszimmer versorgt werden.
Doch auch Reanimationen kamen schon vor, so dass die Feuerwehr auch einen eigenen Defibrillator vorhält. In solchen Fällen kommen zudem der in Grünwald stationierte Rettungswagen des BRK sowie ein Notarzt aus München zum Einsatz.

Im Jahr 2018 rückte die Werkfeuerwehr 210 Mal aus. Unter anderem wurden 8 Fehlarmierungen durch Brandmeldeanlagen, 16 Brände, 35 Technische Hilfeleistungen und 114 First-Responder-Einsätze verzeichnet. 
Neben diesen originären Feuerwehraufgaben übernimmt die Werkfeuerwehr Bavaria Film aber auch andere Dienste.
So ist man für den kompletten Postversand und den Posttransport zwischen dem Filmgelände und der Poststelle in Grünwald verantwortlich.
Eine eigene Frankiermaschine steht in den Räumen der Feuerwache, auch diese Aufgabe zählt zum Arbeitsalltag der Einsatzkräfte. Ebenso wird durch die Feuerwehr die Pforte zugleich Einsatzzentrale fest besetzt. 
Was sich zunächst nach einer Nebentätigkeit anhört ist jedoch eine echte Herausforderung. Über 20.000 Schlüssel für rund 6.500 Zylinder lagern unter Aufsicht der Feuerwehr.
Werden  Filmproduktionsgesellschaften, Handwerker oder andere Dienstleister auf dem Gelände tätig, bekommen sie von der Feuerwehr die notwenigen Schlüssel ausgegeben.
Wie es bei  Werkfeuerwehren üblich ist, übernehmen wir auch andere Aufgaben im Gelände. Ebenfalls eine organisatorische Leistung ist der Vorbeugende Brandschutz.
Fast 1.300 Feuerlöscher, 2.500 Feuermelder, 150 RWA-Klappen und 60 Fluchtleitern sind regelmäßig zu prüfen. Sie sorgen dafür, dass trotz der hohen Brandlast nichts passiert.
Denn die Filmkulissen sind alle aus Holz, hinzu Kommt die lagernde Ausstattung der Filmcrews und die Verwendung von Spezialeffekten bei den Dreharbeiten.
Explosionen und Feuerbälle zählen daher fast schon zum Tagesgeschäft. Hier hat Helmut Mötsch jedoch ein ganz besonderes Auge dafür, dass alles ohne unbeabsichtigte Folgen abläuft.
Ohne die Freigabe von ihm und seinen Kollegen geschieht auf dem Werksgelände in diesem Bereich nichts.
Bei einer Abnahme greift der Kommandant dann auch mal selbst zum Feuerzeug, um sich von der geringen Brennbarkeit (B1) der imprägnierten Stoffe zu überzeugen.
Für die Erzeugung pyrotechnischer Effekte wird übrigens Lycopodium Pulver verwendet, welches bereits seit dem Mittelalter bekannt ist und sich nur fein zerstäubt entzündet.

Als Arbeitsmittel stehen der Werkfeuerwehr vier Fahrzeuge und ein Anhänger zur Verfügung.
Auf Mercedes Vito basiert der Einsatzleitwagen11/1, welcher im Jahr 2010 beschafft wurde und über einen Notfallrucksack, eine Schaufeltrage, Kleinwerkzeuge sowie Pulver- und CO2-Feuerlöscher verfügt.
Im Jahr 2019  wurde ein Versorgungsfahrzeug Mercedes Citan 50/1 als Ersatz für den Vorgänger VW Caddy angeschafft, welcher unter anderem im Rahmen des Posttransports und zur Nachführung von Einsatzkräften Verwendung findet.
Das wichtigste Fahrzeug ist im Einsatzfall ist das TLF 16/25 auf Iveco Magirus, welches im Jahr 2000 beschafft und nach den Wünschen der Werkfeuerwehr ausgebaut wurde.
In der kurzen Kabine findet eine Staffel Platz, zur Ausstattung von „Florian Bavaria Film 20/1“ zählen auch eine Hochdruckpumpe und ein Akku Kombispreizer  sowie ein Hochdrucklüfter.
Ebenfalls zum Fuhrpark gehört ein CO² Sonderlöschfahrzeug 27/1 auf Mercedes Sprinter.
Das 1996 beschaffte und von Empl ausgebaute Fahrzeug mit Truppbesatzung verfügt neben Atemschutzgeräten, Wassersauger, MicroCAFS und Ölbindemittel auch über eine 250 kg-CO²-Löschanlage.
Mit ihr Können schwer erreichbare Brände ebenso EDV und Elektrobrände sicher und wirkungsvoll bekämpft werden.
Auf Anforderung steht das Fahrzeug auch den umliegenden Feuerwehren im Bedarfsfall zur Verfügung.
Ebenfalls in der Fahrzeughalle steht noch ein Tragkraftspritzenanhänger, der von den Wehrmännern zum Einsatz gebracht werden kann.